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Rheinbrücken zwischen Düsseldorf, Köln und Bonn: zehn Bauwerke mit Geschichte

Von verschobenen Stahlriesen bis zu Liebesschlössern: Entdecken Sie die Geschichten von zehn Rheinbrücken – plus Fotostandorte und Hinweise zur gesperrten Bonner Nordbrücke.

Rhein Bewegt · 2026-11-02
Köln Brücke
Köln Brücke · Rhein Bewegt

Wer am Rhein unterwegs ist, sieht Brücken oft zuerst als Verkehrswege. Doch zwischen Düsseldorf, Köln und Bonn erzählen sie auch von technischen Pionierleistungen, Krieg und Wiederaufbau, politischem Wandel und Alltagsleben. Zehn Bauwerke zeigen, wie unterschiedlich diese Geschichten ausfallen – und worauf Sie bei einem Blick vom Ufer aus achten können.

Düsseldorf: Brückenbau als Ingenieurkunst

Oberkasseler Brücke: seitlich verschoben

Die Oberkasseler Brücke verbindet die Düsseldorfer Innenstadt mit dem linksrheinischen Oberkassel. Ihre Vorgeschichte reicht bis 1898 zurück: Damals erhielt Düsseldorf seine erste feste Straßenbrücke über den Rhein. Sie wurde 1945 zerstört.

Eine besonders spektakuläre Episode folgte beim Bau der heutigen Brücke. Sie entstand zunächst neben ihrer endgültigen Position, damit der Verkehr über die bestehende Verbindung weiterlaufen konnte. Nach deren Abbau wurde die rund 12.500 Tonnen schwere Stahlkonstruktion am 7. und 8. April 1976 um 47,5 Meter zur Seite verschoben. Der Querverschub machte international auf sich aufmerksam.

Brücke Bonn
Brücke Bonn · Rhein Bewegt

Rheinkniebrücke: prägend für die Stadtsilhouette

Die 1969 eröffnete Schrägseilbrücke führt über das Düsseldorfer Rheinknie und verbindet die Innenstadt mit Oberkassel und Niederkassel. Ihre 114 Meter hohen Pylone und die mehr als 1,5 Kilometer lange Brücke prägen das Stadtbild. Beim Bau gelang nach Angaben der Stadt Düsseldorf der damals weltweit größte Freivorbau.

Wer die Brücke von der Rheinuferpromenade betrachtet, kann sie gemeinsam mit dem Rheinturm als Teil der Düsseldorfer Silhouette wahrnehmen. Die markanten Pylone helfen, sie unter den drei Düsseldorfer Rheinbrücken wiederzuerkennen.

Theodor-Heuss-Brücke: ein Vorbild für Schrägseilbrücken

Die 1957 eröffnete Theodor-Heuss-Brücke ist vielen Düsseldorfern als Nordbrücke bekannt. Sie gilt als weltweit erste moderne Schrägseilbrücke mit freistehenden Pylonen und harfenförmig angeordneten Tragseilen. Vier Pylone tragen die Konstruktion. Ihr Bauprinzip beeinflusste zahlreiche spätere Schrägseilbrücken und steht zugleich für den technischen und wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit.

Brücke am Rhein
Brücke am Rhein · Rhein Bewegt

Köln: Krieg, Wiederaufbau und Stadtzeichen

Hohenzollernbrücke: vom Kaiserbesuch zu den Liebesschlössern

Die Hohenzollernbrücke gehört zum vertrauten Kölner Stadtbild: Zusammen mit dem Dom bildet sie eine der bekanntesten Ansichten der Stadt. Die heutige Brücke wurde zwischen 1907 und 1911 errichtet und am 22. Mai 1911 von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Ursprünglich nutzten sie sowohl Züge als auch den Straßenverkehr.

Ihre strategische Bedeutung zeigte sich in den Kriegsjahren. Im März 1945 sprengten deutsche Truppen die Brücke. Nach dem Wiederaufbau wurde sie erneut zu einer zentralen Eisenbahnverbindung. Heute fallen vielen Besuchern vor allem die Vorhängeschlösser auf, die Liebespaare an den Geländern befestigt haben. An der Brücke treffen so Kaiserzeit, Kriegsgeschichte und ein modernes Liebesritual aufeinander.

Deutzer Brücke: eine tragische Vorgeschichte

An der Stelle der heutigen Deutzer Brücke wurde 1915 eine feste Straßenbrücke eröffnet. Im Februar 1945 stürzte die durch Bombentreffer beschädigte Brücke während Reparaturarbeiten ein. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben; die genaue Opferzahl ist bis heute ungeklärt.

Weitblick Brücke
Weitblick Brücke · Rhein Bewegt mit Canva

Der Neubau wurde 1948 eröffnet und gilt als erste Stahlkastenträgerbrücke der Welt. Später kam eine parallel angeordnete Brückenkonstruktion hinzu. Die Deutzer Brücke steht damit zugleich für eine Tragödie der letzten Kriegsmonate und für den technischen Neubeginn in Köln.

Severinsbrücke: Aufbruch in der Nachkriegszeit

Als die Severinsbrücke 1959 eröffnet wurde, wuchs Köln und der Straßenverkehr nahm zu. Die Stadt brauchte zusätzliche Verbindungen über den Rhein. Die moderne Schrägseilbrücke mit ihrem asymmetrischen Pylon wurde zu einem sichtbaren Zeichen des Fortschritts. Bei der Eröffnung war auch Konrad Adenauer anwesend – damals Bundeskanzler und zuvor Oberbürgermeister von Köln.

Mülheimer Brücke: zwei Eröffnungen, zwei Epochen

Konrad Adenauer setzte sich als Kölner Oberbürgermeister für eine leistungsfähige Verbindung zwischen Mülheim und dem linksrheinischen Stadtgebiet ein. Die damalige Hängebrücke eröffnete er am 13. Oktober 1929. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zerstört. Die heutige Brücke entstand in den Nachkriegsjahren und wurde 1951 eröffnet. Sie gehört zu den wichtigen Rheinverbindungen im Kölner Norden und erzählt von Stadtentwicklung, Zerstörung und Wiederaufbau.

Bonn: von kommunalem Streit bis zur Hauptstadtära

Kennedybrücke: das Brückenmännchen erinnert an einen Konflikt

Die Kennedybrücke verbindet die Bonner Innenstadt mit Beuel. Schon 1898 wurde an dieser Stelle die erste feste Rheinbrücke eröffnet; zuvor waren Fähren nötig. Beim Bau gerieten Bonn und die damals eigenständige rechtsrheinische Gemeinde Vilich über die Finanzierung in Streit. Daran erinnert das sogenannte Brückenmännchen, eine kleine steinerne Figur.

Die frühere Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der Neubau eröffnete am 12. November 1949. Seit 1963 trägt die Verbindung nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy ihren heutigen Namen.

Friedrich-Ebert-Brücke: eine wichtige Verbindung, derzeit gesperrt

Die am 28. Juni 1967 eröffnete Friedrich-Ebert-Brücke, auch Nordbrücke genannt, verband die Autobahnen auf beiden Rheinseiten und entlastete die Bonner Innenstadt. Ihre Schrägseilkonstruktion mit zwei Pylonen war ein Beispiel moderner Ingenieurbaukunst in einer Zeit, in der Bonn Bundeshauptstadt war.

Die Brücke ist seit dem 3. Juni 2026 vollständig für den Verkehr gesperrt. Grund sind gravierende Schäden an der linksrheinischen Vorlandbrücke, die abgebrochen und ersetzt werden soll. Die Autobahn GmbH strebt eine Wiederfreigabe bis Ende 2028 an. Vor der Sperrung nutzten nach ihren Angaben täglich rund 90.000 bis 100.000 Fahrzeuge die Verbindung. Die Sperrung betrifft die Befahrbarkeit, nicht den Blick auf die Brücke von den Rheinseiten aus.

Konrad-Adenauer-Brücke: ein Bauwerk der Bundeshauptstadt

Die 1972 eröffnete Konrad-Adenauer-Brücke wird auch Bonner Südbrücke genannt. Sie führt die Autobahn A 562 über den Rhein und verbindet den linksrheinischen Süden Bonns mit dem rechtsrheinischen Stadtgebiet. Ihr Bau fällt in die Zeit, als Bonn als Bundeshauptstadt ausgebaut wurde und das Regierungsviertel wuchs. Die Brücke ergänzte die Kennedybrücke und die Nordbrücke. Ihr Name erinnert an Konrad Adenauer, den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik und früheren Kölner Oberbürgermeister.

Drei Ideen für den Blick vom Ufer

Wer die Brücken nicht nur aus dem Auto heraus erleben möchte, kann sie von den genannten Uferbereichen betrachten:

  • Düsseldorf: Von der Rheinuferpromenade aus lassen sich Oberkasseler Brücke und Rheinkniebrücke in den Blick nehmen.
  • Köln: Der Rheinboulevard in Deutz bietet einen Blick auf die Hohenzollernbrücke, den Dom und die historische Altstadt.
  • Bonn: Im Bereich des Alten Zolls an der Rheinpromenade lässt sich die Kennedybrücke zusammen mit dem Rhein und Teilen des Stadtpanoramas betrachten.

Die Friedrich-Ebert-Brücke ist derzeit für den Verkehr gesperrt. Wer eine Route plant, sollte die aktuelle Befahrbarkeit der jeweiligen Verbindung prüfen. Die historischen Geschichten und die genannten Uferblicke zeigen aber auch ohne Brückenüberquerung, wie eng Technik, Stadtentwicklung und Leben am Rhein miteinander verwoben sind.

Mehr als Übergänge über den Fluss

Die zehn Brücken erzählen gemeinsam eine regionale Geschichte: von den frühen festen Rheinquerungen über technische Rekorde bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem Wiederaufbau. Manche wurden zu Wahrzeichen, andere erinnern an tragische Ereignisse oder an politische Persönlichkeiten. Wer am Rhein unterwegs ist, kann deshalb beim nächsten Blick auf eine Brücke auch nach ihrer Geschichte fragen – und entdeckt oft mehr als Stahl, Beton und Verkehr.

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