Dom, Königsallee und Bonner Münster sind weithin bekannt. Doch abseits der großen Besuchermagneten erzählen Gärten, Festungsanlagen, Mühlen und Kirchen von anderen Seiten der drei Städte. Sechs Ziele in Köln, Düsseldorf und Bonn zeigen, wie viel Stadtgeschichte sich auf Spaziergängen und bei Kulturstopps entdecken lässt. Wichtig bei der Planung: Nicht jede historische Anlage ist jederzeit zugänglich; für Innenbesichtigungen und einzelne Gärten empfiehlt sich ein vorheriger Blick auf die Zugangsmöglichkeiten.
Köln: Gartenwege und Festungsmauern
1. Felsengarten am Fort VI: ein stiller Kontrast zur Großstadt
Im Kölner Stadtteil Lindenthal, nahe dem Decksteiner Weiher, liegt ein ungewöhnlicher Landschaftsgarten. Zwischen hohen Bäumen, künstlich angelegten Felsformationen und verschlungenen Wegen entsteht eine Szenerie, die sich deutlich vom Bild der geschäftigen Großstadt unterscheidet.
Der Garten steht in Verbindung mit der Umgestaltung der ehemaligen preußischen Festungsanlage Fort VI. Nachdem Teile der Anlage zurückgebaut worden waren, wurde das Gelände in den 1920er-Jahren unter Gartendirektor Fritz Encke landschaftlich gestaltet. Einzelne bauliche Spuren erinnern noch an die militärische Vergangenheit.
Der Reiz des Ortes liegt gerade im Nebeneinander: Natur und gestaltete Landschaft treffen auf die Geschichte einer Festungsanlage. Wer den Ausflug verlängern möchte, kann den Besuch mit einem Spaziergang rund um den Decksteiner Weiher verbinden. Der Felsengarten liegt nahe der Gleueler Straße und dem Weiher.
2. Fort X: Festungsarchitektur mit Rosengarten
Am Neusser Wall ist mit Fort X eine der erhaltenen Kölner Festungsanlagen zu finden. Die mächtigen Mauern machen die militärische Vergangenheit der Stadt sichtbar. Zugleich verbirgt sich auf dem Gelände ein Rosengarten mit Tausenden Rosen.
Damit verbindet Fort X zwei Themen, die man nicht unbedingt an einem Ort erwartet: Festungsarchitektur und Gartenkultur. Besonders in der warmen Jahreszeit kann der Rosengarten den Besuch prägen. Für die Planung ist jedoch die Saison wichtig: Es gelten saisonale Öffnungszeiten, und im November ist der Garten kein verlässlich zugängliches Ausflugsziel.
Fort X befindet sich am Neusser Wall 33 in 50670 Köln. Wer gezielt den Rosengarten besuchen möchte, sollte sich vorab über die aktuellen Zugangsmöglichkeiten informieren.
Düsseldorf: Japanische Gartenkunst und Mühlengeschichte
3. Japanischer Garten im Nordpark: Ruhe im Stadtpark
Die japanische Kultur gehört sichtbar zu Düsseldorf. Eine besondere Möglichkeit, sie in der Stadt zu entdecken, bietet der Japanische Garten am Rhein im Nordpark. Die Anlage wurde 1975 von der japanischen Gemeinschaft und japanischen Unternehmen in Düsseldorf gestiftet.
Wasserflächen, Steine, geschnittene Gehölze und sorgfältig komponierte Blickachsen folgen traditionellen Gestaltungsprinzipien. Statt eines einzelnen großen Blickfangs lohnt es sich, auf die Zusammensetzung der Elemente zu achten. Im Herbst und Winter treten Formen und Strukturen besonders hervor, wenn die Bäume ihr Laub verlieren.
Der Garten liegt im Nordpark an der Kaiserswerther Straße, 40474 Düsseldorf. Ein Spaziergang durch den Park lässt sich anschließen; auch das Aquazoo Löbbecke Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe. Das macht den Ort zu einer passenden Station, wenn ein Ausflug verschiedene Eindrücke verbinden soll.
4. Buscher Mühle: ein Zeugnis der Wasserkraft
Die Buscher Mühle an der Nördlichen Düssel erzählt von einer Zeit, in der Wasserkraft für das städtische Wirtschaftsleben wichtig war. Ihre Ursprünge liegen vermutlich im 14. Jahrhundert. Als kulturhistorisches Zeugnis lenkt sie den Blick auf Düsseldorfs handwerkliche und industrielle Vergangenheit – eine Seite der Stadt, die neben ihrem Ruf als Einkaufsstadt leicht übersehen wird.
Die Mühle ist kein jederzeit frei zugängliches Museum. Wer sie von innen besichtigen möchte, sollte die Möglichkeiten vorab erfragen. Die Adresse lautet Mulvanystraße 15, 40239 Düsseldorf. Auch ohne eine bestätigte Innenbesichtigung lässt sich der Ort als Anlass nehmen, sich mit der Geschichte der Wasserkraft und der Nördlichen Düssel zu beschäftigen.
Bonn: mittelalterliche und barocke Kirchen entdecken
5. Doppelkirche Schwarzrheindorf: zwei Ebenen, ein Bauwerk
Rechts des Rheins, im Bonner Stadtteil Schwarzrheindorf, steht die Doppelkirche St. Maria und St. Clemens. Sie wurde im 12. Jahrhundert errichtet und 1151 geweiht. Das Besondere ist ihre Anlage mit zwei übereinanderliegenden, räumlich miteinander verbundenen Kirchenebenen.
Erhaltene romanische Wand- und Gewölbemalereien geben Einblick in die Kunst und Glaubenswelt des Mittelalters. Damit ist die Kirche ein lohnendes Ziel für alle, die sich für Architektur und Geschichte interessieren – und eine Alternative zu den bekannteren Stationen im Zentrum Bonns.
Die Kirche befindet sich in der Dixstraße 41, 53225 Bonn. Eine Innenbesichtigung sollte vorher abgestimmt werden. Wer den Ausflug zu Fuß fortsetzen möchte, kann einen Spaziergang in Richtung Rhein und Siegmündung anschließen.
6. Kreuzbergkirche: barockes Ensemble und Heilige Stiege
Die Kreuzbergkirche in Bonn-Endenich gehört zu einem barocken Gesamtensemble, dessen Geschichte bis in die kurfürstliche Zeit zurückreicht. Bekannt ist die Anlage vor allem für ihre Heilige Stiege. Sie macht den Ort zu einem besonderen Ziel für alle, die sich für barocke Architektur, religiöse Traditionen und die Geschichte des Rheinlands interessieren.
Auch die Lage auf dem Kreuzberg verleiht dem Besuch einen eigenen Charakter, abseits des Trubels der Bonner Innenstadt. Die Heilige Stiege wird traditionell zu Ostern geöffnet. Wer andere Gebäudeteile besichtigen möchte, sollte vorher prüfen, welche Bereiche zugänglich sind. Die Kreuzbergkirche liegt am Stationsweg in Bonn-Endenich.
Welcher Ort passt zu Ihrem Ausflug?
- Für einen Spaziergang mit Natur und Geschichte: der Felsengarten am Fort VI in Köln.
- Für Festungsarchitektur und Gartenkultur: Fort X in Köln – mit Blick auf die saisonalen Zugangszeiten des Rosengartens.
- Für einen ruhigen Parkbesuch und Gartenkunst: der Japanische Garten im Düsseldorfer Nordpark.
- Für Stadt- und Wirtschaftsgeschichte: die Buscher Mühle in Düsseldorf; eine Besichtigung sollte vorab geklärt werden.
- Für mittelalterliche Baukunst: die Doppelkirche Schwarzrheindorf in Bonn.
- Für barocke Architektur und religiöse Tradition: die Kreuzbergkirche in Bonn-Endenich.
Vor dem Besuch Zugang und Saison prüfen
Bei den Kirchen ist eine Innenbesichtigung nicht automatisch jederzeit möglich. Für Schwarzrheindorf sollte der Besuch vorher abgestimmt werden; bei der Kreuzbergkirche empfiehlt sich ebenfalls eine Prüfung der zugänglichen Gebäudeteile. Die Heilige Stiege ist traditionell zu Ostern geöffnet. Auch bei der Buscher Mühle sind Besichtigungen nicht jederzeit möglich. Für Fort X gelten saisonale Öffnungszeiten des Rosengartens.
Die sechs Orte zeigen, dass besondere Entdeckungen nicht unbedingt eine weite Reise voraussetzen. Ein Garten an einer ehemaligen Festungsanlage, eine historische Mühle oder eine ungewöhnliche Kirche kann den Blick auf die eigene Stadt verändern. Wer Köln, Düsseldorf oder Bonn bereits zu kennen glaubt, findet hier gute Gründe, auch abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten auf Entdeckungstour zu gehen.