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Unter unseren Füßen: Die verborgene Geschichte der Rheinmetropolen

Römischer Palast, Festungsmauern oder Legionslager: Diese archäologischen Spuren prägen den Untergrund der drei Rheinmetropolen – und hier können Sie mehr darüber erfahren.

Rhein Bewegt · 2026-11-03
Höhlen und Schätze
Höhlen und Schätze · Rhein Bewegt

Ein Rathausplatz, ein U-Bahnhof, eine Straße: Im Alltag wirken solche Orte ganz gegenwärtig. Doch in Köln, Düsseldorf und Bonn reicht die Geschichte vielerorts tief in den Boden. Dort liegen Überreste römischer Anlagen, mittelalterlicher Siedlungen und mächtiger Befestigungen. Einige sind an ausgewählten Orten zu sehen, andere lassen sich bislang nur archäologisch erforschen.

Wer durch die drei Städte spaziert, kann ihre Vergangenheit deshalb auf unterschiedliche Weise entdecken: in Köln unter dem Rathaus, in Düsseldorf an einer U-Bahn-Station und in Bonn anhand von Spuren eines römischen Militärstandorts.

Köln: Römischer Regierungssitz und mittelalterliches jüdisches Viertel

Unter und neben dem historischen Rathaus liegen die Überreste des Praetoriums. Der Gebäudekomplex war der Amtssitz des römischen Statthalters der Provinz Niedergermanien. Seine Geschichte reicht bis ins erste Jahrhundert nach Christus zurück; über mehrere Jahrhunderte wurde die Anlage erweitert und umgebaut. Zu ihr gehörten repräsentative Räume, Wandmalereien, Mosaikböden und eine Thermenanlage.

Tief unter der Erde
Tief unter der Erde · Rhein Bewegt

Über den römischen Spuren entstand im Mittelalter ein bedeutendes jüdisches Stadtquartier. Archäologische Untersuchungen brachten Überreste einer Synagoge, von Wohnhäusern und einer Mikwe zutage. Der Schacht dieses jüdischen Ritualbads reicht etwa 17 Meter tief bis zum Grundwasserspiegel. Die Funde erzählen von jüdischem Leben und religiösen Traditionen, aber auch von Verfolgung: Sie erinnern an das Pogrom von 1349 und die Vertreibung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1424.

Was in Köln heute zugänglich ist

Das MiQua, das LVR-Jüdische Museum im Archäologischen Quartier Köln, soll die verschiedenen historischen Schichten künftig mit einem unterirdischen Rundgang verbinden. Nach aktuellem Planungsstand ist die Eröffnung für 2029 vorgesehen. Der archäologische Bereich ist im November 2026 noch kein regulär zugängliches Ausflugsziel.

Informationen zu den Funden bietet das MiQua:forum am Alter Markt 31. Laut den vorliegenden Angaben ist es im Winterhalbjahr donnerstags von 12 bis 19 Uhr geöffnet; der Eintritt ist kostenlos.

Brunnen und mehr
Brunnen und mehr · Rhein Bewegt

Düsseldorf: Spuren der Festungsstadt im Untergrund

Düsseldorf war über Jahrhunderte von Befestigungsanlagen umgeben. Besonders im 16. bis 18. Jahrhundert wurde die Stadt zu einer Festung mit Mauern, Bastionen, Toren und wassergefüllten Gräben ausgebaut. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwanden große Teile der Anlagen: Sie wurden niedergelegt, Gräben verfüllt und neue Straßen angelegt. Reste blieben jedoch im Boden erhalten.

Beim Bau der Wehrhahn-Linie und des Kö-Bogens stießen Archäologen auf umfangreiche Spuren. Unter dem damaligen Jan-Wellem-Platz kam 2011 ein rund 20 Meter langes Mauerstück aus dem 18. Jahrhundert zum Vorschein. Es war stellenweise noch bis zu 2,50 Meter hoch. Ein sieben Meter langer Abschnitt wurde geborgen; dafür zerlegten Spezialisten das Mauerstück in mehrere Teile.

Archäologie im U-Bahnhof

Im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee zeigt der ArcheoPoint historische Bauteile und Funde aus den Ausgrabungen im Zusammenhang mit Wehrhahn-Linie und Kö-Bogen. Der Besuch lässt sich damit in den Alltag integrieren: Der Ausstellungsort liegt mitten im Bahnhof, nicht in einem separaten Museum.

Schätze unter den Füssen
Schätze unter den Füssen · Rhein Bewegt

Auch jüngere Bauarbeiten bringen neue Erkenntnisse. Anfang 2026 wurden beim Umbau des Behrensbaus am Mannesmannufer rund 3,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau Reste einer Festungsanlage aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Die Funde gehören zur sogenannten oberrheinischen Front und liefern Hinweise auf die Konstruktion der Stadtbefestigung.

Eine andere Spur mittelalterlicher Stadtgeschichte liegt rund um die Lambertuskirche. Bei Leitungs- und Sanierungsarbeiten wurden dort historische Gräber gefunden, teilweise nur etwa 60 Zentimeter unter dem Pflaster. Grünliche Verfärbungen an einigen Schädeln gingen auf korrodierte Kupferdrähte zurück: Sie stammten von Totenkronen, die in bestimmten Epochen unverheirateten Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurden. Im Oktober 2026 stellte die Stadt den ehemaligen Friedhof an St. Lambertus als Bodendenkmal des Monats vor.

Bonn: Eine römische Militäranlage mit eigener Infrastruktur

Im heutigen Stadtteil Bonn-Castell lag ein römisches Legionslager. Dort lebten und arbeiteten Soldaten, Handwerker und weitere Menschen, die mit dem Militär verbunden waren. Zu einer solchen Anlage gehörten nicht nur Unterkünfte, sondern auch Straßen, Werkstätten, Lagerräume, Wasserleitungen und eine Abwasserentsorgung. Archäologische Spuren dieser Infrastruktur werden bis heute erforscht.

Ein aufwendig errichteter Abwasserkanal aus dem Bereich des ehemaligen Legionslagers zeigt, wie organisiert die Versorgung einer großen Militäranlage sein musste. Auch im Bereich des Collegium Albertinum kam römische Baugeschichte ans Licht: Bei Umbauarbeiten wurde 1988 eine Badeanlage entdeckt. Sie gehörte zu einem größeren militärischen Gebäudekomplex südlich des eigentlichen Legionslagers. Das Collegium Albertinum ist kein regulär öffentlich zugängliches Museum; eine Besichtigung der Thermen sollte vorab mit dem Haus abgestimmt werden.

Hinweis für einen Bonn-Besuch

Das LVR-LandesMuseum Bonn ist ein zentraler Ort für Archäologie und Kulturgeschichte des Rheinlands. Die archäologische Dauerausstellung befindet sich allerdings im Umbau und soll im März 2027 wiedereröffnen. Für einen Besuch bis dahin sollte man daher nicht von einer zugänglichen Dauerausstellung ausgehen.

Drei Städte, drei unterschiedliche Geschichten

Die archäologischen Spuren unter den Rheinmetropolen erzählen keine einheitliche Geschichte. In Köln treffen ein römisches Verwaltungszentrum und ein mittelalterliches jüdisches Viertel aufeinander. Düsseldorf macht die Ausmaße einer einstigen Festungsstadt sichtbar. Bonn erinnert mit Legionslager, Abwasserkanal und Badeanlage an einen römischen Militärstandort am Rhein.

Viele Fundstellen sind geschützt oder nicht frei zugänglich. Bei Bauarbeiten müssen Archäologen Überreste häufig zunächst vermessen, fotografieren und dokumentieren, bevor ein Vorhaben weitergehen kann. Besonders wertvolle Strukturen werden nach Möglichkeit erhalten oder in neue Gebäude integriert. Deshalb ist nicht jeder Fund dauerhaft zu sehen – und nicht jeder historische Ort eignet sich spontan für eine Besichtigung.

Für einen unkomplizierten Einstieg bieten sich das MiQua:forum in Köln und der ArcheoPoint im Düsseldorfer U-Bahnhof an. In Bonn gilt es, die Wiedereröffnung der archäologischen Dauerausstellung im LVR-LandesMuseum abzuwarten. Wer künftig durch eine Innenstadt geht, kann dabei einen Gedanken mitnehmen: Unter dem sichtbaren Stadtbild liegen oft weitere Kapitel, die erst bei Grabungen ans Licht kommen.

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